Samstag, 6. Oktober 2012

1 Jahr danach - welche Ängste ich durchlebt habe

Am Montag ist der 08.10. und ich werde ins Labor marschieren, meinen Kittel anziehen und mit dem praktischen Teil meiner Masterarbeit beginnen. Vor fast genau einem Jahr, am 10.10.2011 war ich das erste mal wegen meiner Raumforderung bei meinem Arzt. Schon 1-2 Monate vorher hatte ich so eine leise Ahnung, dass ein Arztbesuch unentweichlich ist. Mein Unterbauch war irgendwie dicker als üblich. Nicht auffällig dick, aber dicker. Niemand anderem ist das aufgefallen, nur mir. Ich lag oft abends im Bett und habe mir Gedanken über meinen Bauch gemacht. Warum kann ich ihn nicht mehr so schön schlank einziehen wie sonst? Sehe ich noch attraktiv aus? Irgendwann habe ich angefangen ihn abzutasten und Ende September gemerkt, dass sich mein einer Eierstock verdächtig groß anfühlt. Ich hatte also schon so eine Ahnung wo meine Reise hin gehen wird. Trotz alledem bin ich am 10.10.2011 erstmal zum Hausarzt gegangen, habe Ultraschall machen lassen und wurde anschließend direkt zu meinem Frauenarzt geschickt. Ich wusste, dass eine OP wahrscheinlich anstehen wird und ich hatte unglaublich Angst vor der OP. Ich hatte keine Angst davor was das Ergebnis sein wird, welche Folge das alles mit sich bringt, sondern nur vor der OP. So fing das alles irgendwie an. Als erstes war die Angst vor der OP und der damit verbundenen Narkose da, die mich lange vom Arztbesuch abgehalten hat. Dann später, als ich wusste es muss sogar ein großer Bauchschnitt gemacht werden, habe ich mir Sorgen um meine schöne Bikinifigur gemacht. Eine Narbe  längs über den Bauch? Wie werde ich da jemals wieder einen schönen Bikini im Schwimmbad oder am Strand tragen können. Dann kam die OP und am 11.11. die Diagnose bösartiger Eierstockkrebs. So schnell ging es und die Narbe war eine Klitzekleinigkeit geworden, unbedeutsam, irrelevant. Der Respekt vor der Narbe und der OP wurde schnell abgelöst durch die Nervosität vor der Chemotherapie! Wird mir übel werden? Muss ich mich übergeben? Werden alle meine Haare ausfallen? Werde ich irgendwann wieder gesund werden? Muss ich sterben? Die OP war schnell vergessen. Ich habe mich innerhalb von ein paar Wochen sehr gut erholt, die Narbe war schnell ein Teil von mir und akzeptiert, doch jetzt stand die Chemo an. Auch diese Angst war bald  verflogen. Nach der ersten Chemo habe ich mich gut versorgt gefühlt, nach der zweiten habe ich die Nebenwirkungen schon gekannt und wusste damit umzugehen und ab der dritten war es Routine und die Hälfte überstanden... Heute gibt es nur noch die Sorge vor jeder Nachsorgeuntersuchung, alles andere ist überwunden!

Ich habe in diesem einem Jahr Ängste durch standen, die jeder in einer solchen Situation in ähnlicher Weise durchlebt. Aber irgendwann habe ich jede dieser Sorgen überwunden und gemerkt, dass es Kleinigkeiten waren. Kleinigkeiten, die man vielleicht durchstehen muss, die aber vorbei gehen. Kleinigkeiten, mit denen man Leben kann, mit denen man lernen kann umzugehen.
Angst zu haben ist ok und völlig verständlich! Aber es ist wichtig nicht zu vergessen weiter zu leben!

Ich habe in diesem letzten Jahr so viel erlebt, so viel Erfahrung gesammelt und so viel gelernt, das will ich tatsächlich nicht missen! Ich habe mich kennen gelernt, gemerkt was mir wirklich wichtig ist. Meine Zeit genutzt, wie ich sie vielleicht ohne diese Erkrankung die nächsten 10 Jahre lang nicht genutzt habe und heute kann ich sagen, dass ich glücklich bin!

Am Montag geht es wieder los! Ich bin gespannt was mich erwartet, freue mich, aber will auch ein bisschen besser auf mich achten :) Denn ich weiß jetzt was mir gut tut und was nicht!

Eure,

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